Was glaubte Jesus? – Jesus X – Von Thomas Pichel

A.
Teil 1: Was glaubte Jesus? 
Was war seine Theologie? Was trug ihn? Wofür lebte er?

Das geht uns nämlich unbedingt an. Denn was Jesus glaubte, was ihn trug, wofür er lebte, das dürfen wir auch glauben, das trägt auch uns, damit und dafür dürfen auch wir leben!

Fußnote: Die heutige Predigt und die vom nächsten Sonntag (2.10.2022) hängen zusammen. Nächste Woche fragen wir: Was wollte Jesus? Was wollte Jesus im Blick auf Gott? Worum ging es ihm in seinem persönlichen Gottesverhältnis? Wozu möchte er uns motivieren?

I.
Gott ist unser Vater!
Das muss unbedingt erwähnt werden. Aber es ist heute nicht der Schwerpunkt der Predigt.

Jesus redet ca. 170x Gott als Vater an. Es gibt nur eine Ausnahme. Als Sterbender zitiert er Psalm 22,2: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?

Jesus ist der erste Jude, der Gott ganz und ausschließlich als seinen Vater versteht.

Und Jesus verwendet, wenn er Gott als Vater anredet, das intime Wort der Kleinkindersprache. Er sagt immer „abba“. Er sagt also Papa. Dieses Wort bedeutet Nähe, Vertrauen, Verstehen, Unbeschwertheit.

In diesem Urvertrauen ruhte und lebte Jesus. In diesem Urvertrauen dürfen wir mit dem lebendigen, heiligen Gott leben!

 

II.
Das Reich Gottes ist im Kommen. = Die Königsherrschaft Gottes ist im Kommen
.

1.
Das glaubte Jesus! Das trug ihn! Dafür lebte er! Das war sein Evangelium. Das verkündigte er immer wieder!

Im Mt-Evangelium steht am Anfang und am Ende des Wirkens Jesu dieses Stichwort.

Tut Buße! D.h. Denkt um! Kehrt um! Orientiert euch um. Denn das Himmelreich, die Königsherrschaft Gottes ist nahe herbeigekommen.“ (Mt 3,2)

„Jesus zog umher in ganz Galiläa, lehrte in ihren Synagogen und predigte das Evangelium vom Reich, von der Königsherrschaft Gottes“ (Mt 4,23; Dieser Vers wird wiederholt in Mt 9,35)

Jesus trug seinen Jüngern und Anhängern folgenden Auftrag auf: „Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit“ (Mt 6,33; siehe auch Mt 10,7)

In seiner letzten großen Rede, in Mt 24,14, sagt Jesus: „Und es wird gepredigt werden dies Evangelium vom Reich, dieses Evangelium von der Königsherrschaft Gottes.“

Wir dürfen nicht übersehen, dass auch sein Suchen der Verlorenen (Luk 19,10: “Ich bin gekommen zu suchen und zu retten, was verloren ist”) meint, die Menschen ins Reich Gottes zu integrieren. Jesus sagt ja in Joh 3,3: Es sei denn, dass jemand vom neuen geboren werde, so kann er das Reich Gottes nicht sehen. Oder in Mk 10,15: Wer das Reich Gottes nicht empfängt wie ein Kind, der wird nicht hineinkommen.

Wir sehen: Die Königsherrschaft Gottes war das Lebensthema Jesu, seine Vision, sein Traum, sein Projekt, sein Warum!

Der Theologe Leonhard Goppelt sagt: „Jesu Wirken kreist um einen faszinierenden Begriff. Auf ihn ist alles bezogen, und von ihm strahlt alles aus. Die Mitte ist das Reich Gottes.“

2.
Was war das Geheimnis des irdischen Jesus?

Jesus hat nicht nur das Reich Gottes proklamiert, ausgerufen und angesagt; er hat es nicht nur in vielen Predigten beschrieben. Er hat es in seinem Leben sichtbar gemacht. In der Nähe Jesu gab es ein Stück Himmel auf Erden, eine Ouvertüre des Reiches Gottes. Jesus zeigte, dass er der Prinz des Königreiches Gottes ist.

Der Theologe Manuel Schmid schreibt in seinem Buch „Gott hat keinen Plan, aber 1000 Möglichkeiten, mit dir ans Ziel zu kommen“: „Was hat Jesus uns vorgelebt? Er hat mit dem Einbruch des Himmels in diese geschundene Erde gerechnet. Er hat nichts weniger erwartet, als dass durch sein Leben eine neue Ära beginnt: Die Zeit ist erfüllt und das Reich Gottes ist angebrochen (Mk 1,15). Gottes Reich bricht sich Bahn, seine guten Absichten für den Menschen werden sichtbar – der Schöpfer beginnt in einer aus den Fugen geratenen Welt Dinge wieder in Ordnung zu bringen!“

Sünder erfahren Vergebung und beginnen ein neues Leben in der Gemeinschaft mit Gott. Gesellschaftlich Ausgestoßene und Verachtete werden angenommen und finden ihren Platz unter den Anhängern von Jesus. Stadtbekannte Betrüger und Geizhälse begegnen dem Gottessohn und verteilen ihr Vermögen unter den Bedürftigen. Arme werden versorgt, Trauernde getröstet, Schwache gestärkt, Gebundene befreit, Sterbenskranke geheilt und Tote wieder auferweckt… In der Nähe von Jesus blüht mit anderen Worten ein Stück Himmel mitten in dieser alten Erde auf.“ Manuel Schmid, aaO, S.126f

Das heißt: Wenn wir von Jesus reden wollen, müssen wir zuerst und vor allem vom Reich Gottes reden.

 

B.
Teil 2: Die Königsherrschaft Gottes als Thema in der Bibel

Jesus hat das Thema Reich Gottes, Königsherrschaft Gottes nicht erfunden. Es ist tief in der jüdischen Bibel und in der Geschichte Israels verankert und verwurzelt.

I.
Ein jüdischer Gelehrter sagt einmal: Gott hat die Welt erschaffen, um sie zu regieren.

Wir schauen uns nun ein paar Stellen an, in denen es um Gott als König geht. Gott, der König, regiert, siegt über seine Feinde, befreit und bewahrt sein Volk, und verwandelt diese Erde.

1.
Nach der Herausführung aus Ägypten steht in 2 Mose 15 das sog. Lied des Mose. Darin heißt es: „Der Herr ist meine Stärke und mein Lobgesang und ist mein Heil. Das ist mein Gott, ich will ihn preisen…“ (v2) „Der Herr wird König sein immer und ewig“ (v18)

2.
Nach der Herausführung aus Babylon heißt es in Jes 52,7: „Wie lieblich sind auf den Bergen die Füße der Freudenboten, die da Frieden verkündigen, Gutes predigen, Heil verkündigen, die da sagen zu Zion: Dein Gott ist König“.

3.
In den Psalmen, also wenn es ums Beten geht, gibt es das Thema der Königsherrschaft Gottes. In Psalm 96 heißt es z.B.: „Singet dem Herrn ein neues Lied… Saget den Völkern: Der Herr ist König. Er hat den Erdkreis gegründet, dass er nicht wankt. Er richtet die Völker recht“. In Ps 97,1 heißt es: „Der Herr ist König; darüber freue sich die ganze Welt“. Und in Ps 99 (Zürcher): „Der Herr ist König, es erzittern die Völker… Es ist die Stärke des Königs, dass er das Recht liebt.

4.
Und sehr auffällig! In der Offenbarung, am Ende der Bibel, wird wieder das Lied des Mose gesungen. Diesmal von verfolgten und von Gott bewahrten Gläubigen. Es heißt in Offb 15,3: „Und sangen das Lied des Mose, des Knechtes Gottes, und das Lied des Lammes: Groß und wunderbar sind deine Werke, Herr, allmächtiger Gott*! Gerecht und wahrhaftig sind deine Wege, du König der Völker“

*Übersetzung des biblischen „Herr Zebaoth“, König der Heerscharen

Ich hoffe, diese kleine Auswahl reicht, um uns ein Gespür dafür zu geben, was die Bibel mit dem „Evangelium vom Reich“ meint. Ich möchte nun kurz das Gesagte auswerten.

 

II.
Was meint die Bibel, wenn sie von der Königsherrschaft Gottes redet?

1.
Das Reich Gottes ist das Projekt Gottes mit unserer Welt. Reich Gottes meint die Heilung und Erneuerung der Welt.

Gottes Königsherrschaft wird Armut und Hunger, Krankheit und Tod, Lüge und Betrug, Hass und Gewalt, Terror und Krieg… abschaffen.

Dieses Reich Gottes ist das Alternativ-Reich zu den Reichen dieser Welt.

Die Reiche dieser Welt sind alle machtgierig, ungerecht. Sie bevorzugen die Reichen. Die Armen haben nichts zu lachen. Sie sind korrupt. Es wird sehr viel, viel zu viel mit Gewalt durchgesetzt. Es gibt Neid, Hass, Machtgier, Machtmissbrauch. Die Menschen können die Beschädigungen von sich aus nicht beheben. Es gibt keinen Impfstoff gegen die Sünde, gegen die Habgier, gegen die Machtgier, gegen den Egoismus…“ (Siegfried Zimmer)

2.
Die Königsherrschaft Gottes ist die notwendige Botschaft für eine Welt, die nicht in Ordnung ist, die schwer beschädigt und die im Griff des Bösen (in all seinen Formen und Ausprägungen) ist.

Jesus und alle Autoren der Bibel sind sehr nüchtern, sehr realistisch. „Die Erde ist voller Gewalttaten“ (1 Mo 6,11). „Die Welt liegt im Argen“ (1 Joh 5,19).

Die Königsherrschaft Gottes ist die Botschaft für eine erschütterte, wunde, kaputte Welt.

Die Königsherrschaft Gottes ist die Botschaft für leidende Menschen.

Und sie ist die Botschaft für leidende Gläubige: Jesus sagt in Mt 11,12: „Das Himmelreich leidet Gewalt.“ Paulus greift das in Apg 14,22 auf: „Wir müssen durch viele Bedrängnisse in das Reich Gottes eingehen“.

3.
Was ist die Perspektive, die Aussicht, die Zukunft?

Reich Gottes meint Gottes neue Welt und Gottes neuen Himmel, in dem „Gerechtigkeit und Friede und Freude“ (Rö 14,17) herrschen werden.

Reich Gottes ist keine Utopie, sondern 100% Hoffnung, 100% Ermutigung und 100% Trost. Gott wird seine Macht erweisen.

C.
Teil 3: Das Reich Gottes als seelsorgerliche Ermutigung Jesu für uns

Gott ist König! Er ist es schon. Und sein Königreich ist im Kommen. Das heißt übrigens auch, dass die Kirche ihre beste Zeit noch vor sich hat.

Gott ist König! Es gibt eine gute Macht! Siegfried Zimmer sagt: „Gottes Macht ist die Macht der Liebe, des Rechts und der Gerechtigkeit. Sie ist immer verbunden mit Barmherzigkeit und Dienen“. “Wie stark könnten wir auch auf die Liebe Gottes hoffen, wenn Gott keine Macht hätte. Ohne die entsprechende Macht könnte Gott dem Recht und der Gerechtigkeit nicht zum Sieg verhelfen. Ohne die entsprechende Macht hätte die Barmherzigkeit Gottes keine große Wirkung.“

Deshalb rufe ich uns die Worte und Texte zu, die heute (25.9.2022) im Losungsbuch stehen:

Ich zitiere den Wochenspruch 1 Ptr 5,7: Alle eure Sorge werft auf ihn. Denn er sorgt für euch. Er hat die Macht dazu. Er ist der König dieser Welt.

Ich zitiere die Losung aus Ps 121,3: Der Herr wird deinen Fuß nicht gleiten lassen, und der dich behütet, schläft nicht. Er hat die Macht dazu. Er ist der König dieser Welt.

Ich zitiere den Lehrtext aus 1 Kor 1,7-8: Unser Herr Jesus Christus wird euch fest machen bis ans Ende. Er hat die Macht dazu. Denn er ist der Königssohn des Königs dieser Welt.

Halleluja! Amen!