A.
Teil 1: Einleitung
1.
In unserer aktuellen Predigtreihe geht es heute um das Themenfeld “Der Wille Gottes”:
Was will Gott? Was ist ihm am wichtigsten?
Wie erkennen wir seinen Willen? Wie finden wir unseren Weg in den vielen biblischen Anweisungen und Geboten?
Wie will die Bibel gelesen und ausgelegt werden? Wie können wir sie begreifen und verstehen?
2.
Dazu zwei Vorbemerkungen.
Vorbemerkung 1: Diese Predigt erhebt nicht den Anspruch, dieses Thema umfassend zu erörtern. Sie ist weit davon entfernt, die Frage nach dem Willen Gottes ein für alle Mal beantworten zu wollen. Aber sie weiß, dass Jesus in Luk 11,37-53 richtungsweisende Impulse gibt.
Vorbemerkung 2: Luk 11,37-53 ist ein Streitgespräch zwischen Jesus und einigen Pharisäern und Gesetzeslehrern.
Die Pharisäer waren eine Reformbewegung innerhalb des jüdischen Volkes. Es ging ihnen darum, dass die Hebräische Bibel ernst genommen und dass der Glaube an Gott glaubwürdig und verbindlich gelebt wird.
Die Gesetzeslehrer ( = die Schriftgelehrten) waren ein Berufsstand. Sie waren ausgebildete Juristen und Theologen. Sie hatten die Aufgabe der offiziellen und verbindlichen Bibelauslegung.
Jesus kritisiert die mit ihm diskutierenden Pharisäer und Schriftgelehrten sehr stark. Er kritisiert ihr Leben: Nicht in erster Linie, was sie tun, sondern was sie nicht tun und wie sie es tun. Und er kritisiert ihre Lehre, das heißt das, was sie anderen als Willen Gottes lehren.
Jesus sagt ihnen ein paar Mal ein „Weh euch!“, d.h. Gott wird Euch für Eure Art, die Bibel auszulegen, und für Eure Art, den Glauben zu leben, richten. Das ist eine harte Wahrheit! Und dennoch! Diese Kritik ist keine pauschale Verurteilung nach dem Motto: „Alle Pharisäer sind notorische Heuchler!“ „Alle Schriftgelehrten sind engstirnige Fundamentalisten!“ Sie ist eine Einladung zur Umkehr.
Und sie ist eine Warnung an alle, die Luk 11,37-53 lesen. Die im Text vorkommenden Pharisäer und Gesetzeslehrer sind für uns Beispiele dafür, dass wir als glaubende und bibellesende Menschen trotz berechtigter Anliegen uns in unserem Verständnis vom Willen Gottes und in unserem Bibelverständnis irren und verirren können. Jesus kritisiert hier Dinge, die auch jüdische Theologen kritisieren.
B.
Teil 2: Anmerkungen zu Luk 11,37-53
1.
37: Als er noch redete, bat ihn ein Pharisäer, mit ihm zu essen. Und er ging hinein und setzte sich zu Tisch. 38 Als das der Pharisäer sah, wunderte er sich, dass er sich nicht vor dem Essen gewaschen hatte. 39 Der Herr aber sprach zu ihm: Ihr Pharisäer, ihr haltet die Becher und Schüsseln außen rein; aber euer Inneres ist voll Raub und Bosheit. 40 Ihr Narren, hat nicht der, der das Äußere geschaffen hat, auch das Innere geschaffen? 41 Doch gebt als Almosen von dem, was da ist; siehe, dann ist euch alles rein.
Ein Pharisäer lädt Jesus ein. Mit guter Absicht empfängt er Jesus. Jesu Gastgeber reagiert mit Erstaunen und Missfallen darauf, dass Jesus die Vorschrift, sich vor dem Essen die Hände zu waschen, nicht einhält und praktiziert.
Für uns ist es wichtig zu sehen, dass diese Regel im Alten Testament nur für die Priester vorgesehen ist, aber zurzeit Jesu für das ganze Volk als verbindlich verkündet und praktiziert worden ist.
Jesu Verhalten ist Protest und Provokation. Jesus wird grundsätzlich, weil es hier um eine grundsätzliche Frage geht: Können wir Menschen durch das Befolgen von Regeln und Vorschriften unser Böses in den Griff bekommen können oder nicht?
Ich meine, folgendes sagen zu können: Das Halten der Gebote kann uns vor bösen Taten schützen, aber es macht unser Herz nicht gut. Kein Mensch bekommt sein Herz in den Griff, indem moralische oder religiöse Regeln beachtet. Religiöse Handlungen, wie z.B. das Waschen der Hände, können das menschliche Herz nicht verändern, weil sie die egozentrische Habgier (nicht nur nach Geld und Besitz, sondern z.B. nach Rechthaben und Bestätigtwerden…) und Bosheit (Gleichgültigkeit, Lieblosigkeiten, Gemeinheiten, Rücksichtslosigkeit, andere benutzen und ausnutzen…), von denen das Herz voll ist, nicht unwirksam machen können. Anders gesagt: Kein Glaube und keine Moral, kein moralischer oder religiöser Rigorismus oder Perfektionismus schützen uns vor unserem eigenen Bösen.
Aber es gibt laut Jesus eine wirksame Medizin gegen Habgier und Bosheit. Diese Medizin aus dem Hause Gott heißt Hingabe und Barmherzigkeit. Jesus gibt deshalb einen entscheidenden Tipp, wie das Herz den Weg der Veränderung antreten kann: Tut den Willen Gottes! Praktiziert Barmherzigkeit! Spendet das, was in den Schüsseln ist, denen, die dringend auf Barmherzigkeit angewiesen sind, weil sie arm sind und hungern. Jesus knüpft damit an die Botschaft des Alten Testaments an. In Hosea 6,6 lesen wir, worum es Gott geht: Ich habe Wohlgefallen an Barmherzigkeit, nicht am Opfer.
2.
42 Aber weh euch Pharisäern! Denn ihr gebt den Zehnten von Minze und Raute und allem Kraut und geht vorbei am Recht und an der Liebe Gottes. Doch dies sollte man tun und jenes nicht lassen.
(1)
Jesus zeigt auf, was für Gott am wichtigsten ist.
(2)
Damit wir das nun Folgende nicht missverstehen, sei deutlich festgehalten: Jesus geht es darum, dass wir den Willen Gottes tun, dass wir unser Leben ändern (lassen). Er sagt ja hier zu jüdischen Menschen: Doch dies sollte man tun und jenes nicht lassen. Konkret in der damaligen Situation hieß das: Sie sollen den Zehnten weitergeben. Der Zehnte kam damals dem Tempel zugute.
(3)
Aber Jesus sagt, woran wir uns beim Praktizieren einzelner biblischer Anweisungen orientieren sollen. Stellt nie die Hierarchie der Wichtigkeiten und Wahrheiten auf den Kopf! Setzt nie die Prioritäten falsch! Macht nicht Zweit- und Drittrangiges zur Hauptsache!
Vergesst nie, was Gott am wichtigsten ist! Nämlich das Recht und die Liebe Gottes! Nach der Parallelstelle im Mt-Evangelium: Vergesst nie das Recht, die Barmherzigkeit und den Glauben (Mt 23,23). Das ist die Mitte der Mitte des Willens Gottes! Dazu will er uns verpflichten.
Gott will das Recht. Dass wir das Rechte und Richtige tun. Dass wir immer unterscheiden zwischen Recht und Unrecht.
Gott will Barmherzigkeit. Er will, dass wir Barmherzigkeit praktizieren!
Gott will, dass wir an seine Liebe glauben und als Geliebte ihn und unsere Mitmenschen lieben. Siehe 5 Mo 6,5 u 3 Mo 19,18 bzw. Luk 10,27!
Fußnote: Das griechische Wort in Luk 11,42 u Mt 23,23 kann auch mit Gericht übersetzt werden. Ich habe mich entschieden, den Bibelübersetzungen zu folgen, die es mit Recht übersetzen. Weil es in dieser Aussage darum geht, den Willen Gottes zu tun. Aber auch die Übersetzung mit Gericht hätte etwas für sich. Denn es tut jedem glaubenden Menschen gut, das Gericht Gottes für sich ernst zu nehmen.
3.
45 Da antwortete einer von den Lehrern des Gesetzes und sprach zu ihm: Meister, mit diesen Worten schmähst du uns auch. 46 Er aber sprach: Weh auch euch Lehrern des Gesetzes! Denn ihr beladet die Menschen mit unerträglichen Lasten und ihr selbst rührt sie nicht mit einem Finger an.
Jetzt geht es Jesus um die grundsätzliche Frage, ob Menschen, die die Bibel für andere auslegen, ihren Zuhörern Wahres und Gutes sagen oder ob sie den Menschen unerträgliche Lasten auflegen.
(1) Schauen wir in den Vers hinein! Bis jetzt hat der Gesetzeslehrer, der Theologe und Bibelexperte, geschwiegen. Nun ergreift er das Wort. Er fühlt sich von Jesus beleidigt. Jesus sagt ihm: Wehe Euch! Ihr werdet von Gott gerichtet werden. Denn eure Bibelauslegung legt den Menschen unerträgliche Lasten auf!
(2) Was sind die unerträglichen Lasten?
a. Das sind zum einen die ungebührlich hoch gewichteten Einzelvorschriften der Bibel, denen höchstes Gewicht, oberste Priorität und absolute Verbindlichkeit beigemessen wird.
Beispiel 1: Eine Frau, die wegen der Klammern ihrer hochgesteckten langen Haare unter langem und starken Kopfschmerz litt, bekam von einem Arzt empfohlen, auf die Klammern zu verzichten und sich eine Kurzhaarfriseur zuzulegen. Ihre Gemeinde hat dann sie und ihren Ehemann aus der Gemeinde ausgeschlossen. Ein Argument lautete: Kannst Du nicht für Jesus diesen Schmerz auf dich nehmen?
Beispiel 2: Eine Gemeinde verweigert einer Frau, die jahrelang von ihrem Mann betrogen, gedemütigt und ausgenützt wird, das Recht, sich scheiden zu lassen.
Weitere Beispiele wären z.B. die Frage des Sabbat-Haltens, des Zehnten…
b. Das sind zum anderen menschliche Lehren, die nicht in der Bibel stehen, denen höchstes Gewicht, oberste Priorität und absolute Verbindlichkeit beigemessen wird.
Bsp 1: Du musst nur richtig glauben, dann wirst du gesund. Als die Krankheit blieb: Du hast nicht richtig geglaubt. Frage dich mal, ob eine heimliche Schuld der Grund dafür ist…
Bsp. 2: Mir sagte vor Jahren ein Mann: Thomas, wenn wir eine Evangelisation durchführen, müssen wir Nürnberg erst frei beten. Sonst kann das nichts werden.
Bsp 3: Die Rechtfertigung der Launen und des Machtmissbrauches eines evangelistisch begabten Mannes mit dem Argument: Gesegnete Männer sind halt schwierige Leute. Das musst du aushalten. Vergib ihm!
(3) Was ist mit dem Keinen-Finger-Rühren gemeint?
In Mt 23,3 hat Jesus das Leben der Pharisäer und Schriftgelehrten kritisiert: Alles nun, was sie euch sagen, das tut und haltet; aber nach ihren Werken sollt ihr nicht handeln; denn sie sagen’s zwar, tun’s aber nicht. Dass sie keinen Finger rühren, heißt also, dass sie selbst nicht tun, wozu sie andere verpflichten.
Ich denke aber, dass Jesus hier in Luk 11 etwas anderes meint. Jesus kritisiert, dass sie keine Beziehung und Mitgefühl für die Menschen haben, denen sie mit ihrer Bibelauslegung unerträgliche Lasten auferlegen. Es ist ihnen egal, wenn Menschen bei der Erfüllung der angeblich zu tragenden Lasten leiden oder Schaden erleiden. Es ist ihnen egal, wie sie zurechtkommen, wie es ihnen ergeht.
4.
52 Weh euch Lehrern des Gesetzes! Denn ihr habt den Schlüssel der Erkenntnis weggenommen. Ihr selbst seid nicht hineingegangen und habt auch denen gewehrt, die hineinwollten.
Die Parallelstelle in Mt 23,13 lautet: Weh euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, ihr Heuchler, die ihr das Himmelreich zuschließt vor den Menschen! Ihr geht nicht hinein, und die hineinwollen, lasst ihr nicht hineingehen!
Alle Kritik Jesu läuft auf diese Aussage zu. Jesus wirft den Lehrern des Gesetzes vor, dass sie nicht tun, was sie von Berufs wegen tun müssten: den Menschen die Bibel und das Evangelium aufschließen, Menschen den Glauben, das Reich Gottes und das Heil aufschließen. Er wirft ihnen vor, dass sie selbst sich verweigern und anderen den Zugang blockieren.
Jesus kritisiert nicht, dass die Bibelausleger einzelne Fehler bei der Auslegung der Texte machen. Wer macht das nicht? Er kritisiert, dass sie die richtige Gesamt-Auslegung der Bibel verhindern. Er kritisiert, dass sie den Schlüssel zum Begreifen der Bibel beseitigt haben.
C.
Teil 3: Annäherung an die Frage: Was ist der Schlüssel der Erkenntnis?
Wir nähern uns der Antwort auf diese Frage mit dem Hinweis auf eine Weichenstellung. Es gibt zwei Grundverständnisse beim Lesen und Auslegen der Bibel.
1.
Der religiöse Ansatz mit seiner Verdienst-Logik
Es gibt eine Auslegung der Bibel, die die Bibel als Gesetzbuch versteht. Man neigt dazu, im Einhalten aller biblischen Anweisungen das Wichtigste und Entscheidende im Christsein zu sehen.
Man liest die Bibel mit der Logik einer Religion, d.h. mit der Logik eines Qualifizierungs-Verdienstes. Man sieht sich verpflichtet, den Willen Gottes zu praktizieren, damit man von Gott akzeptiert wird: Ich mache dies, ich tue jenes nicht und werde dafür von Gott belohnt.
Viele verstehen Christsein so: Es sei wie im Studium oder in einer Lehre. Man mache Prüfung um Prüfung und am Ende das Examen. Ob man die Abschlussprüfung oder das Examen oder den Master schaffen wird, weiß man nie vorher, sondern erst hinterher.
Themenanzeige: Was gehört zu diesem Qualifizierungs- und Leistungsdenkens dazu?
Es ist geprägt vom Lohn-Strafe-Denken, aber auch von dem Versuch, Gott zu verpflichten, sich Gott zu kaufen.
Es ist geprägt von Angst und Krampf: Habe ich auch wirklich genug getan, damit Gott mich akzeptiert? Sie ist oft geprägt von Enttäuschung und Bitterkeit, wenn Gott nicht so funktioniert, wie man sich das erarbeiten wollte.
Es ist anfällig für ein Anspruchsdenken: Gott muss mich eigentlich belohnen.
Es ist anfällig für Selbsttäuschung. Man ist blind für die eigenen Verstrickungen und Abgründe. Man ist blind für die eigene Sünde. Siehe Luk 18,9-14!
2.
Der Beziehungs-Ansatz in der Logik des Evangeliums
(1)
Die Bibel versteht sich nicht als Gesetzbuch. Sie erschöpft sich nicht in einer Summe von Geboten und Verboten. Alle göttlichen Willenskundgebungen in der Bibel sind Teil einer unerhörten Geschichte des göttlichen Erbarmens, einer nicht endenden Befreiungsgeschichte…
Es ist klar! Die Anweisungen der Bibel sind wichtig. Die Gebote sind gut. Aber sie sind nicht die Basis des Christseins. Christsein ist keine Religion, sondern eine Beziehung zu Christus. Der Grundsatz heißt nicht: Nur wenn dein Leben einwandfrei ist, kannst du Heil erfahren.
Wir werden von Jesus verpflichtet, nach dem Willen Gottes zu fragen und ihn zu praktizieren. Aber in der Welt des Evangeliums gilt: Wir werden nicht verpflichtet, den Willen Gottes zu tun, damit wir von Gott akzeptiert werden, sondern weil wir von ihm akzeptiert sind. Joh 6,47 drückt das so aus: Wer glaubt, der hat das ewige Leben. Und zwar nicht erst in der Ewigkeit. Sondern schon hier auf Erden!
(2)
Jesus spricht doch von Gehorsam und von Lohn! Wie ist das dann gemeint?
In Mt 25,21: Da sprach sein Herr zu ihm: Recht so, du guter und treuer Knecht, du bist über wenigem treu gewesen, ich will dich über viel setzen; geh hinein zu deines Herrn Freude!
In Luk 6,23: Freut euch an jenem Tage und tanzt; denn siehe, euer Lohn ist groß im Himmel. Denn das Gleiche haben ihre Väter den Propheten getan.
Der Lohn, von dem Jesus spricht, ist kein Qualifizierungslohn, sondern ein Beziehungsgeschenk (das sog. Preisgericht!)
(3)
Unsere Bibelauslegung hebt konkrete biblische Gebote nicht auf. Aber sie macht die Praxis der biblischen Anweisungen von dem abhängig, was Gott am wichtigsten ist: von Recht, Barmherzigkeit und Liebe (= Glaube an die Liebe Gottes; praktizierte Liebe zu Gott u Menschen gemäß dem Doppelgebot der Liebe).
D.
Teil 4: Was ist der „Schlüssel der Erkenntnis“?
Ich beschreibe nun, was ich unter dem „Schlüssel der Erkenntnis“ verstehe. Ich tue das mit vier Schlüsselerkenntnissen, die es m.E. zu beachten und zu bewahren gilt.
1.
Die Schlüsselerkenntnis: Unsere Moral kommt aus dem Evangelium. Unsere Praxis kommt aus dem Hören der Taten und Worte Gottes.
(1)
Die Gnade ist unentgeltlich. Wir werden, ohne es verdient zu haben, gerecht (siehe Rö 3,21-30). Wir können und müssen uns die Akzeptanz Gottes, das Ja Gottes nicht verdienen. Wir müssen Gott nicht beeindrucken. Wir müssen uns nicht qualifizieren.
(2)
Unser Versuch, den Willen Gottes zu tun, ist immer die Antwort auf die Liebe Gottes.
Gott befreit Israel aus Ägypten, schenkt ihnen einen Bund und gibt ihnen dann die Gebote. Die Anweisungen Gottes sind das zweite, nicht das erste. Zuerst kommt immer ein helfendes und rettendes Handeln Gottes. Zuerst kommt immer ein Versprechen Gottes. Die Anweisungen Gottes haben das Ziel, die gewonnene Freiheit und gute Lebensmöglichkeiten zu bewahren.
Jesus ruft zur Umkehr und Lebenswende auf, weil in ihm das Reich Gottes, das Heil, das Evangelium nahe herbeigekommen ist. Jesus ruft in der Bergpredigt nach den Seligpreisungen zum Hören und Tun seiner Worte auf.
Die Herzensveränderung kommt aus seinem Wirken und Leiden, aus dem, was er den Menschen bringt: Wiedergeburt, Vergebung, Erlösung, Gabe des Heiligen Geistes.
2.
Die Schlüsselerkenntnis: Jeder Mensch, auch der fromme Mensch ist erlösungsbedürftig. Denn es gibt bei jedem Menschen eine persönliche Verstrickung in das Böse.
Jeder Mensch, auch der Christ, braucht zeit seines Lebens Gottes unverdientes Erbarmen.
Wir dürfen uns keine Illusionen über uns selbst machen. Wir dürfen unsere eigene Verstrickung in Habgier und Bosheit nicht vergessen! Wir müssen unser Böses ernst nehmen. Das machen wir aber nur, wenn wir es ernster nehmen als das Böse der anderen…
Deshalb ist es für uns gläubige Menschen entscheidend wichtig, dass wir selbstkritisch bleiben. Dazu gehört auch, dass wir mit Propheten leben, d.h. dass wir Menschen erlauben, kritisch in unser Leben hineinreden zu dürfen und zu sollen.
Fußnote: Das eigene Böse ernster nehmen als alles andere Böse bedeutet nicht, die Unterschiede zwischen den Menschen zu nivellieren. Es geht dabei um das Erkennen meiner Sünde und um das Erkennen meiner Erlösungsbedürftigkeit und um das Erkennen der Gnade Gottes, die mir in Jesus entgegentritt.
3.
Die Schlüsselerkenntnis: Biblischer Glaube ist Messias-Glaube, ist Glaube an Gott als Retter, an Jesus als Erlöser.
Denn das Evangelium lautet: Gott selbst bzw. der Messias Jesus öffnet uns den Zugang zum Glauben, zum Evangelium, zur Bibel, zum Reich Gottes, zum Heil!
Deshalb dürfen wir beim Bibellesen nie die Gegenwart und Barmherzigkeit Jesu übersehen! Deshalb geht es beim Bibellesen um das Hören auf ihn!
4.
Die Schlüsselerkenntnis: Recht, Barmherzigkeit und Liebe bzw. das Doppelgebot der Liebe sind Gott am wichtigsten
Die Prioritätensetzung in der Bibel beachten. Die Hierarchie der biblischen Werte und Wahrheiten beachten. Nie Recht und Barmherzigkeit und die Liebe vergessen!
Wie vergessen wir Barmherzigkeit und Liebe nicht?
Indem wir sie für uns selbst glauben und indem wir die uns geschenkte Barmherzigkeit und Liebe anderen nicht verweigern!
Themenanzeige: In der Frage nach dem Willen Gottes müssen wir bei den einzelnen biblischen Geboten die geschichtliche Situation eines Gebots, aber auch die heilsgeschichtlichen Entwicklungen beachten!

