11 Und das ist das Zeugnis, dass uns Gott das ewige Leben gegeben hat, und dieses Leben ist in seinem Sohn. 12 Wer den Sohn hat, der hat das Leben; wer den Sohn Gottes nicht hat, der hat das Leben nicht. 13 Das habe ich euch geschrieben, damit ihr wisst, dass ihr das ewige Leben habt, die ihr glaubt an den Namen des Sohnes Gottes.
A.
Es gibt Forscher, die ewiges Leben möglich machen wollen. Ich las in einem Artikel der Berliner Morgenpost aus dem Jahr 2022:„Der Tod an Altersschwäche wird irgendwann die letzte Krankheit sein, die übrig bleibt“, sagt der spanische Project-Direktor José Cordeiro. Aber auch sie sei besiegbar, schon in naher Zukunft. „Ich habe jedenfalls nicht vor zu sterben“, sagt er und hält das Unendlichkeitszeichen auf seinem iPhone-Display in die Kamera.
Das Alter ist die Todesursache Nummer 1. Der Ingenieurwissenschaftler und Futurist Cordeiro, wie er sich nennt, hat ein Buch geschrieben: „Der Sieg über den Tod. Die wissenschaftliche Möglichkeit, ewig zu leben, und ihre moralische Rechtfertigung“ (Finanzbuch-Verlag). Auch sein Co-Autor David Wood, ein Informatiker, ist überzeugt: „Wenn die Gesellschaft sich den Kampf gegen die Todesursache Nummer eins, das Altern, zur Priorität macht, besteht eine 50-prozentige Chance, dass eine entsprechende Technologie 2040 zur Verfügung steht.“
B.
I.
Ewiges Leben beginnt schon vor unserem leiblichen Tod
1.
Wenn wir über das Leben nachdenken, erfahren wir täglich die Ambivalenz des Lebens: die Freude, den Genuss am Leben und den Frust, den Verdruss. Unerfülltes, verletztes und gelingendes, erfülltes, Leben. Der Lauf des Lebens, ein ständiges Hin und Her, ein ständiges Auf und Ab.
In den Religionen ist das Thema Ewigkeit immer ein Thema. Das Leben nach dem Tod. Der Tod – Station auf dem Weg zu Gott? Von Dietrich Bonhoeffer kennen wir die letzten Worte auf seinem Weg zur Hinrichtung: „Dies ist das Ende – für mich ist es der Anfang zu einem neuen Leben“. Es ist ein Geheimnis des Glaubens, das diese Gewissheit schafft.
Überraschend betont nun Johannes, wenn er vom ewigen Leben spricht, nicht das jenseitige, nach dem Tod beginnende, sondern das gegenwärtige Leben: Wer den Sohn hat, der hat (nicht: bekommt später einmal) das Leben.
Was hat es mit diesem Zeugnis auf sich?
In Joh 5,37 lesen wir: Und der Vater, der mich gesandt hat, er selbst hat Zeugnis von mir gegeben. Ihr habt weder jemals seine Stimme gehört noch seine Gestalt gesehen.
Es ist erstaunlich, was nur allein im 1. Johannesbrief über Jesus ausgesagt wird.
Jesus reinigt uns von aller Sünde. 1.Joh. 1,7: Wenn wir aber im Licht wandeln, wie er im Licht ist, so haben wir Gemeinschaft untereinander, und das Blut Jesu, seines Sohnes, macht uns rein von aller Sünde.
Er ist die Sühnung für unsere Sünden. 1.Joh. 2,1: Und er selbst ist die Versöhnung für unsre Sünden, nicht allein aber für die unseren, sondern auch für die der ganzen Welt.
Er ist der Zerstörer der Werke des Teufels. 1.Joh. 3,8: Dazu ist erschienen der Sohn Gottes, dass er die Werke des Teufels zerstöre.
Er ist der Retter, der in die Welt gesandt wurde. 1.Joh. 4,9: Darin ist erschienen die Liebe Gottes unter uns, dass Gott seinen eingebornen Sohn gesandt hat in die Welt, damit wir durch ihn leben sollen.
Er ist der Offenbarer Gottes. 1.Joh. 5,20: Wir wissen aber, dass der Sohn Gottes gekommen ist und uns Einsicht gegeben hat, damit wir den Wahrhaftigen erkennen. Und wir sind in dem Wahrhaftigen, in seinem Sohn Jesus Christus. Dieser ist der wahrhaftige Gott und das ewige Leben.
Wenn wir Jesus sehen, sehen wir wie Gott ist. Da kann man nur staunen! Das muss man auf sich wirken lassen. Dann bekommt man eine Ahnung davon, was Jesus für uns bedeutet.
Der Name des Sohnes Gottes. Jesus, der Sohn Gottes. Es gehört zusammen. Viele sagen, Jesus war ein guter Mensch, hat beeindruckend gelebt. Er hat gute Sachen gesagt. Dass er gleichzeitig Mensch und Gottes Sohn war, das lehnen viele ab. Gerade das aber ist das Entscheidende.
Erklärung Elberfelder Bibel: Wenn Christen an Jesus als den Sohn Gottes glauben, dann wirkt der Heilige Geist in ihnen die Gewissheit, dass sie in der Lebensverbindung zu Jesus Christus das ewige Leben haben.
Vers 10: Wer an den Sohn Gottes glaubt, der hat dieses Zeugnis in sich.
Das Zeugnis Gottes ist im gläubigen Menschen, es erfüllt ihn, verändert sein Leben!
Auf der anderen Seite ist das eine harte Botschaft. Wer den Sohn nicht hat, hat das Leben nicht. Aber er lebt doch! Viele führen ein gutes Leben und fragen nicht nach Gott. Vielen geht es gut. Für viele gilt – es wird uns auch so vermittelt – sich selbst zu verwirklichen, machen zu können, was man will. Viele brauchen Gott nicht. Es ist ja interessant zu beobachten, dass gerade nach schrecklichen Ereignissen Gottesdienste gehalten werden. Dann gehen Menschen in den Gottesdienst. Für kurze Zeit wird man evtl. nachdenklich, was das Leben ausmacht, wie wertvoll das Leben ist. Doch irgendwie bleibt die Frage, was bleibt vom Leben? Was hat Bestand?
II.
Was macht denn das Leben mit Jesus aus? Was ist das Besondere?
Wenn wir das ewige Leben jetzt schon haben, dann muss das doch Auswirkungen auf unser Leben haben.
1.
Deshalb stellt sich die Frage: Welche Bedeutung hat Jesus für uns Menschen?
In ihm kommt Gott zu den Menschen. Das haben wir vor kurzem gefeiert. Jesus repräsentiert, verkörpert in seiner Person den uns suchenden und liebenden Gott.
Wir lesen in Hebr 1,3 (Gute Nachricht): Die ganze Herrlichkeit Gottes leuchtet in ihm auf; in ihm hat Gott sein innerstes Wesen sichtbar gemacht.
Durch Jesus können wir sehen, wie Gott ist. Das kann zu einem erweiterten Gottesbild führen. Gott ist unnahbar, verborgen. Das stimmt auch. Lesen wir Berichte im AT, da wird es richtig gefährlich wenn sich jemand Gott näherte. Das ist auch ein Bestandteil des biblischen Gottesbildes. Wir reden in diesem Zusammenhang von der Heiligkeit Gottes, die für uns Menschen problematisch ist. In Jesus sehen wir, dass wir uns Gott nähern können. Wir können zu Gott Vater sagen und Gott möchte unser Vater sein.
In Vers 12 steht gemäß der Übersetzung „Willkommen daheim“: Wer mit dem Sohn eine lebendige Beziehung eingegangen ist, der hat das wahre, unzerstörbare Leben, wer mit dem Sohn Gottes nichts zu tun haben will, hat dieses Leben nicht.
2.
Es geht um eine lebendige Beziehung zu Jesus. Das ist das Besondere am Leben eines Christen. Wie gestalte ich eine lebendige Beziehung zu Jesus?
Ich muss, wie in jeder anderen Beziehung mit ihm reden. Es entsteht ein Bedürfnis, ihn näher kennen zu lernen. Das geschieht, wenn ich in der Bibel lese.
Ein Austausch mit anderen gläubigen Menschen ist ebenfalls wichtig. Das hilft mir zu wissen, ich bin nicht allein mit Jesus unterwegs. Erfahrungen von anderen zu hören, hilft sehr.
Das Vertrauen zu Jesus muss wachsen, damit ich mich ihm immer mehr anvertrauen kann.
Oft hört man das Wort Heiligung. Das beschreibt den Veränderungsprozess in mir, wenn ich mich auf ein Leben mit Jesus einlasse.
Heiligung macht nicht fehlerfrei! Pastor Andreas Kraft wird in einem ERF-Artikel zitiert: „Heiligung macht nicht weltfremd, sondern alltagstauglich. Sie macht nicht unmenschlich, sondern gnädig.“
Oswald Chambers (Baptistenprediger, 1874-1917) schreibt in seinem Andachtsbuch „Mein Äußerstes für sein Höchstes“: „Christliche Vollkommenheit ist nicht menschliche Vollkommenheit und wird es auch nie sein können. Christliche Vollkommenheit ist eine vollkommene Gottverbundenheit, die sich auch inmitten der Belanglosigkeiten des menschlichen Lebens kundgibt.“
Die Beziehung zu Jesus wird sich immer mehr vertiefen. Die Veränderung schafft der Heilige Geist, das liegt nicht an mir! Aber ich muss es auch wollen!
III.
Ein Christ ist ein Mensch, der weiß, dass er Jesus Christus braucht und dass er in Jesus Christus leben darf.
1.
Sören Kierkegaard (1813-1855) sagt einmal: Gottes zu bedürfen ist des Menschen höchste Vollkommenheit. Gott nötig zu haben ist also unsere höchste Vollkommenheit. Jesus nötig zu haben, ist des Menschen größte Vollkommenheit. Ein Mensch, der weiß, ich brauche Jesus, der ist vollkommen.
2.
Das Neue Testament kann unsere besondere Beziehung zu Jesus mit dem merkwürdigen Begriff „in Christus“ beschreiben.
Was heißt es, in Christus zu sein, in Jesus Christus zu leben?
a.
Eine erste Annährung ist über unsere innigsten Beziehungen möglich.
In Christus sein ist schwierig zu beschreiben und kommt in unserem normalen Sprachgebrauch auch selten vor. Ich bin ja z.B. nicht in meiner Frau, sondern mit meiner Frau verheiratet und habe eine innige Beziehung zu ihr.
Aber: Bin ich frisch verliebt, dann bin ich in jemanden verliebt! Und was macht das mit mir? Als ich meine Frau kennenlernte, musste ich natürlich viel an sie denken. Ich nahm eine Stunde Fahrt in Kauf, nur um sie zu sehen, wir erzählten uns viel voneinander, was wir erlebt haben. Ich erzählte anderen begeistert von meiner neuen Freundin. Und ich möchte nichts falsch machen, sie auf gar keinen Fall verletzen.
In Christus sein heißt also: Ich habe zu Jesus eine tiefe, innige Beziehung. Ich teile mein Leben mit ihm.
b.
Der Ausdruck in Christus bezeichnet einen Raum, in dem ich leben und mich aufhalten und bewegen darf. Dieser Raum hat alles, was ich zum Christsein brauche. Er ist ein Quellort, deren Wasser ich trinke. Er ist ein Schulzimmer, das mich unterweist. Er ist eine Aufladestation, die mich versorgt. Er ist eine Schatzkammer, von deren Kapital ich lehre. Er ist ein Heilungsort, der mich heilt, wo ich Heilung nötig habe. Er ist ein Schutzraum, der meinen Glauben bewahrt.
3.
Das Neue Testament kann unsere Beziehung zu Jesus aber auch umgekehrt so beschreiben, dass wir ein Tempel für den Heiligen Geist, dass also der Geist Gottes in uns ist.
Wir haben als Christen nicht etwas Besonderes an uns, wir sind nichts Besseres. Wir haben hingegen etwas Besonderes in uns! Das sagt Hans-Peter Royer. Er erzählte in einer Predigt etwas. Das hat mich sehr berührt. Er kam mit 15 Jahren zum Glauben, mit 18 Jahren hat er sich davon entfernt, weil er merkte, dass das, was Jesus von ihm verlangt, zu viel war. Er hatte das Gefühl, das schafft er nie. Er kann nie so leben. Dann traf er mit 23 Jahren den Gründer der Fackelträger. Der sagte zu ihm: Christsein ist nicht einfach. Christsein ist auch nicht schwer. Christsein ist unmöglich. Das hat ihn ihm etwas ausgelöst. Das hat noch niemand zu ihm gesagt.
4.
Was heißt das praktisch?
Ich aus meiner Kraft kann nicht Christ sein und ich muss es nicht. Nur Christus kann Christ sein und nur in dem Maße, in dem ich in Gemeinschaft mit ihm lebe, kann sein Leben durch mich etwas bewegen, das über mich hinausgeht.
Weiter sagt Hans-Peter Royer, dass Jesus in die Kleinigkeiten des Lebens hinein gehört. In den Alltag. Die Veränderungen in unserem Leben müssen auch sichtbar werden, die Menschen um uns herum sollen merken, dass Jesus uns verändert.
Und das können wir selbst überprüfen! In 1 Korinther 13,5 steht: Erforscht euch selbst, ob ihr im Glauben steht; prüft euch selbst! Oder erkennt ihr an euch selbst nicht, dass Jesus Christus in euch ist?
Erinnern wir uns nochmal an die Beispiele eines Verliebten. Ist das mit meiner Beziehung zu Jesus auch so? Denke ich ständig an ihn, rede ich mit ihm, denke ich über ihn nach, erzähle ich anderen von meiner Begeisterung, wird mir bewusst, wenn ich Jesus verletzt habe?
Ich muss mich immer wieder überprüfen, ob die Beziehung zu Jesus lebendig ist, ob ich sie noch wirklich lebe. Ich muss immer wieder zurück finden zu Jesus. Wenn auch vieles falsch läuft, wenn ich müde werde. Ich kann zu ihm zurückkommen und alles bei ihm ablegen. Wenn die Sorgen zu groß werden und belasten, wenn Schwieriges vor mir steht.
Ein Wesensmerkmal der Christen ist Hoffnung! Die ersten Christen hatten eine Naherwartung. Oft hört man, dass dies vom Leben ablenkt oder nur vertröstet. Der Mensch braucht Hoffnung, um leben zu können. Hoffnung hilft, Schwieriges zu ertragen. Ohne Hoffnung ist der Mensch unmotiviert.
Bsp. Kommender Besuch: Wir hatten im August letzten Jahres ein Familienfest. Ein Treffen von Cousins und Cousinen meiner Frau. Da viele Eltern nicht mehr leben und man sich häufig nur bei Beerdigungen trifft, ist s eine schöne Idee, zusammen zu kommen. Ein Onkel meiner Frau lebt noch und ist bereits 90 Jahre. Dieser 90jährige freute sich so sehr auf dieses Treffen. Er hat mit organisiert, alles hergerichtet, an alles gedacht. Seine Tochter meinte, er war nicht zu bremsen. Vorfreude wirkt schon, obwohl das Ereignis, auf das man sich freut, noch gar nicht da ist.
So können wir uns auf unser Lebensziel freuen, auf die Ewigkeit bei Gott. Die hat jetzt schon angefangen! Das dürfen andere auch merken.
IV.
Die Ewigkeit ist das Thema für unser Heute und das Thema für die Zeit nach unserem Tod
Irgendetwas hat die Ewigkeit doch mit der Zeit zu tun. Ja, die Ewigkeit tut etwas mit der Zeit: An Weihnachten kommt die Ewigkeit in die Zeit hinein – und damit verändert sich die Zeit. Denn nun ist die Zeit erfüllt, erfüllt durch die Gegenwart Gottes in Jesus.
2 Kor 5,1: Denn wir wissen: Wenn unser irdisches Haus, diese Hütte, abgebrochen wird, so haben wir einen Bau, von Gott erbaut, ein Haus, nicht mit Händen gemacht, das ewig ist im Himmel.
Wir können sterben, aber nicht tot sein. Das ewige Leben hat schon begonnen, mit dem Glauben an Jesus, mit der Neugeburt.
Prof. Hans-Joachim Eckstein hat das schön beschrieben: „Wenn wir die Hand eines geliebten Menschen loslassen, nimmt Jesus ihn an die Hand.“
Er schildert die Situation eines Sterbenden. Das Loslassen. In dem Moment, in dem er stirbt, lässt er los und auch die Angehörigen lassen die Hand los. Doch dann nimmt Jesus ihn an die Hand. So geht das Leben weiter. Und in der Ewigkeit ist alles schon gebaut und vorbereitet.
So kann dieser Bibeltext heute ein guter Start in das neue Jahr sein. Dass ich entweder ganz neu eine Beziehung zu Jesus eingehe, dass ich zulasse, dass Jesus in mir leben kann.
Wenn er schon lange in mir lebt, dass ich ernsthaft die Beziehung, die Gemeinschaft mit ihm überprüfe.
Und der Text schenkt uns Hoffnung auf ein erfülltes Leben mit ihm hier und jetzt und ein ewiges Leben über den Tod hinaus.
Zum Schluss noch ein Zitat von Hans-Peter Royer: Jedes Mal, wenn ich sage: „Jesus, ich bin nicht fähig…“ sagt er: „Na und? Ich bin fähig!“